von Mikkel vor 11 Monaten

Ein neuer Charakter betritt die Bühne!

 

Vorwort
Da ist endlich Kapitel 2. Die Grobfassung hatte ich schon vor Weihnachten geschrieben, allerdings hatte ich während der Feiertage nicht wirklich die Ruhe, mich nochmal dran zu setzen. Es ist beeindruckend, wie sehr sich die nun fertige Version von der ersten unterscheidet. Es gibt viele Sachen, die man nochmal umschreibt oder auch ganz streicht.
Vielen Dank für euer zahlreiches Feedback! Über 30 Kommentare, das freut mich wirklich. Wie schon gesagt schreibe ich das in meiner Freizeit und ist mehr ein Hobbyprojekt - denn so richtig "Ahnung" habe ich vom Schreiben nicht. Aber ich vermute, das gehört zu den Dingen, die man einfach machen muss. Und wenn man dann noch gleich ein Publikum hat, welches so zahlreich Feedback gibt, ist das ein echter Luxus.
Mein Plan ist, einen regelmäßigen Rhythmus zu finden. Dafür muss ich mich aber erstmal selbst besser kennenlernen. Bedeutet: Wie lange dauert es, bis ich im Alltag ein neues Kapitel geschrieben habe. Wenn ich das herausgefunden habe, lasse ich mich gerne auch auf eine verbindliche Aussage ein!
Und wie immer: Ich freue mich über weiteres Feedback. Rechtschreibfehler gerne auch in die Kommentare, aber auch Feedback zum "handwerklichen". Unter Kapitel 1 schrieb jemand, dass ich lebendiger erzählen sollte. Das habe ich nun schon versucht - dürfte aber noch ein langer Weg sein.
Vielen Dank für's Lesen und viel Spaß!



Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4

 

Kapitel 2

Es war ausschließlich Wut, die Nathan in diesem Moment antrieb. Es war die Wut auf dreizehn Jahre Versklavung - sein halbes Leben - die dafür sorgte, dass der Aufseher mit der rostigen Spitzhacke direkt zwischen den Augen getroffen wurde.
Noch vor wenigen Sekunden hatte der Aufseher mal wieder die Peitsche zum Schlag erhoben. Aber Nathan wollte nicht mehr erdulden und ertragen. Er war an einem Punkt angekommen, an dem der Tod wie das verdiente Ende eines kräftezehrenden Laufes wirkte. Man freute sich, es endlich geschafft zu haben.
Und so erging es allen 1253 Arbeitern in den Salzminen. Sie waren eigentlich verurteilte Mörder, Vergewaltiger und Diebe, die vom König an die Familie Felsenhammer zum Dienst in den Minen verkauft wurden. Zwei Schilling für Kinder, fünf für Erwachsene, ein halber für Kranke und Behinderte. Die Stollen der Mine waren tief, die Geldsäcke der Felsenhammer prall und so wurde alles gekauft, was eine Spitzhacke halten konnte. Langfinger, denen man zur Bestrafung eine Hand abgehackt hatte, fielen eindeutig nicht in diese Kategorie.
Nathan war wegen Diebstahls in den Minen, hatte aber immerhin das Glück, noch beide Hände an den Armen zu haben. Er wollte mit dreizehn Jahren einen Laib Brot auf dem örtlichen Markt klauen. Sein Vater war auf den südlichen Schlachtfeldern gestorben, seine Mutter lag im Sterben und seine kleinen Brüder wären gestorben, hätte er nicht zumindest einen Versuch unternommen.
Aber Nathan war nicht das, was man einen geschickten Jungen nannte. Sein Gang war zu grob, seine Bewegungen zu plump. Er hatte sich den Stand des Bäckers Sammit ausgesucht. Neben süßen und deftigen Pasteten führte er auch ein großes Angebot an verschiedenen Broten.
Nathan schwitzte am ganzen Leib wie ein Pferd, welches die Strecke von Schnittfurth nach Maggistran mit nur einem Tagesritt hinter sich gebracht hat. Seine Finger zitterten, sein ganzer Körper sträubte sich gegen den gefassten Plan. Dennoch wanderte seine Hand langsam zur Auslage mit dem Kürbisbrot.
Noch einmal durchatmen und dann musste alles ganz schnell gehen. Nathan griff sich eines der Brote, drehte sich auf der Stelle und lief direkt in die Arme der Marktwache.
Er wurde zu zwanzig Jahren verurteilt und hatte die Wahl zwischen den Salzminen oder den Schwarzen Kerkern in Maggistran. Und nach allem, was man über die Schwarzen Kerker hörte, klangen die Salzminen zumindest nach einer machbaren Aufgabe. Zwanzig Jahre, danach wäre er wieder frei. Das war, gelinde gesagt, naiv.
Die karge Verpflegung, die harte Arbeit bis zur Ohnmacht, die vielen Krankheiten und schlimmen hygienischen Zustände machten aus den Arbeitern der Salzmine Männer und Frauen, die jede Hoffnung aufgegeben hatten.
Und alles, was es brauchte, war ein Stein des Anstoßes, um dieses Pulverfass explodieren zu lassen. Nur war es in diesem Fall eine Spitzhacke und kein Stein, der die Lunte anzündete.
Auf Nathans Schlag mit der Spitzhacke in den Kopf des Vorarbeiters folgten vier Tage Kämpfe zwischen den Minenarbeitern und den Aufsehern. So eine Revolution war im ganzen Reich beispiellos, niemand war darauf vorbereitet oder hatte es nur in Erwägung gezogen. Man verstand sich darauf, den Willen der Gefangenen zu brechen und deswegen hatte niemand so eine Reaktion in Betracht gezogen.
Nach 96 Stunden waren noch 717 Sklaven und acht Aufseher am Leben, die ihre Waffen freiwillig abgaben und sich im Vorsteherquartier einsperren ließen. Nathan hatte die Minen befreit, auch wenn es nie seine Intention gewesen war. Er war zum Anführer einer Revolution geworden, zum Sprachrohr einer Armee. Zumindest, wenn man sie so nennen wollte, denn ihm war keine Armee bekannt, die in Lumpen gehüllt und mit Spitzhacken bewaffnet war.

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